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Steuerfreie Werbegeschenke: welche Grenze wann gilt

12.08.2026 SilentLink-Team ≈ 4 Min Lesezeit

Das Wichtigste

  • Für Geschenke an Geschäftspartner gilt eine Freigrenze von 50 € pro Empfänger und Jahr (netto bei Vorsteuerabzug) — seit 2024, viele Ratgeber nennen noch die alten 35 €. Freigrenze heißt: Ein Cent darüber, und der komplette Betriebsausgabenabzug entfällt.
  • Bei Mitarbeitern gilt die 50-€-Sachbezugsfreigrenze pro Monat. Der häufigste Irrtum: Die 60-€-Grenze für Aufmerksamkeiten gilt nur zu persönlichen Anlässen wie Geburtstag oder Jubiläum — Weihnachten zählt nicht dazu.
  • Streuwerbeartikel bis 10 € netto sind der einfachste Fall: keine Empfängerliste, keine Pauschalsteuer-Frage. Alles darüber lässt sich mit der 30-%-Pauschalsteuer nach § 37b EStG für den Empfänger steuerfrei stellen.

Wer Geschenke für Kunden oder Mitarbeiter plant, stolpert früher oder später über eine Zahlenreihe: 10, 35, 50, 60, 110. Manche dieser Grenzen sind veraltet, manche werden verwechselt, und mindestens eine wird so regelmäßig falsch angewendet, dass aus der netten Geste steuerpflichtiger Arbeitslohn wird. Hier ist die Sortierung — als Einordnung fürs Planen, nicht als Steuerberatung. Die verbindliche Antwort für Ihren Einzelfall gibt Ihnen Ihre Steuerberatung.

Geschäftspartner: die 50-€-Freigrenze (nicht mehr 35 €)

Geschenke an Personen, die nicht Ihre Arbeitnehmer sind — Kunden, Lieferanten, Geschäftsfreunde —, dürfen Sie als Betriebsausgabe abziehen, solange sie 50 € pro Empfänger und Wirtschaftsjahr nicht übersteigen (§ 4 Abs. 5 Nr. 1 EStG). Für vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmen ist das eine Nettogrenze. Sie gilt seit dem 1. Januar 2024; davor lag sie zwei Jahrzehnte bei 35 €, weshalb viele Ratgeber und interne Richtlinien noch die alte Zahl führen.

Zwei Eigenheiten machen die Grenze tückisch. Erstens ist sie eine Freigrenze, kein Freibetrag: Kostet das Geschenk 50,01 €, entfällt nicht der Abzug für den einen Cent, sondern für das gesamte Geschenk. Zweitens kumuliert sie übers Jahr: Wer im März ein 30-€-Präsent und im Dezember eines für 25 € verschickt, liegt beim selben Empfänger über der Grenze. Deshalb verlangt das Gesetz auch die getrennte Aufzeichnung der Geschenkaufwendungen je Empfänger.

Für die Praxis heißt das: Ein Geschenk um die 20 bis 30 € lässt Luft — für ein zweites im Jahr, für Versandkosten-Fragen und für ruhigen Schlaf.

Der Empfänger zahlt mit? § 37b nimmt ihm das ab

Weniger bekannt: Ein Geschäftsgeschenk ist beim Empfänger grundsätzlich eine steuerpflichtige Einnahme. Kaum jemand möchte, dass der Kunde das Präsent in seiner Steuererklärung angeben muss. Dafür gibt es die Pauschalierung nach § 37b EStG: Der Schenker übernimmt pauschal 30 % Steuer (zzgl. Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer), der Empfänger hat mit dem Geschenk steuerlich nichts mehr zu tun. Das Wahlrecht wird einheitlich für alle Zuwendungen eines Jahres ausgeübt — eine Entscheidung, die in die Jahresplanung gehört, nicht in den Dezember.

Die Ausnahme von allem: Streuwerbeartikel bis 10 €

Sachzuwendungen bis 10 € netto Anschaffungskosten gelten als Streuwerbeartikel und fallen nicht unter § 37b — keine Pauschalsteuer, praktisch keine Empfängerdokumentation. Das ist der steuerlich einfachste Fall und der Grund, warum Massen-Giveaways so beliebt sind. Ob ein 10-€-Artikel beim Empfänger etwas bewirkt, ist eine andere Frage — die haben wir im Beitrag über Werbeartikel, die niemand wegwirft sortiert. Kurzfassung: Entscheidend ist nicht der Preis, sondern ob der Gegenstand einen Platz im Alltag besetzt.

Mitarbeiter: 50 € im Monat — und der Weihnachts-Irrtum

Bei den eigenen Arbeitnehmern gilt eine andere Logik. Sachgeschenke bleiben bis zur Sachbezugsfreigrenze von 50 € pro Monat steuer- und sozialversicherungsfrei (§ 8 Abs. 2 EStG). Wichtig: Die Grenze teilt sich den Monat mit allem, was sonst als Sachbezug läuft — wer seinen Mitarbeitern monatlich eine 50-€-Guthabenkarte gibt, hat im Dezember keinen Spielraum mehr für ein zusätzliches Sachgeschenk.

Und hier sitzt der häufigste Irrtum der ganzen Zahlenreihe: Die 60-€-Grenze für Aufmerksamkeiten gilt nur bei einem persönlichen Anlass — Geburtstag, Hochzeit, Geburt, Dienstjubiläum. Weihnachten ist kein persönlicher Anlass, sondern ein allgemeines Fest. Wer das Weihnachtsgeschenk auf die 60-€-Regel stützt, macht es unbeabsichtigt zu steuerpflichtigem Arbeitslohn.

Einen Ausweg gibt es trotzdem: Wird das Geschenk im Rahmen der Weihnachtsfeier überreicht, kann es in den 110-€-Freibetrag der Betriebsveranstaltung einfließen (§ 19 EStG) — hier immerhin ein Freibetrag, kein Alles-oder-nichts. Die Abgrenzungen im Detail (zwei Veranstaltungen pro Jahr, Kosten pro Teilnehmer) gehören zu Ihrer Steuerberatung.

Was das für die Geschenkwahl bedeutet

Die gute Nachricht aus alldem: Der steuerliche Rahmen ist kein Argument für Billiges. Unterhalb von 50 € liegt reichlich Platz für einen Gegenstand, der sich nach der Marke anfühlt, die Sie sein wollen — die Kriterien dafür stehen im Beitrag über Kundengeschenke, die bleiben. Ein hochwertiger Verlustschutz in Ihrer CI etwa bleibt selbst in guter Ausführung weit unter jeder der genannten Grenzen.

Wenn Sie das Thema konkret fürs Jahresende planen: Wir haben die beiden Fälle als Lösungsseiten aufbereitet — Weihnachtsgeschenke für Kunden und Weihnachtsgeschenke für Mitarbeiter, jeweils mit Zeitplan und Konditionen. Der Kalender ist dabei strenger als das Steuerrecht: Personalisierte Fertigung braucht drei bis sechs Wochen — das Dezember-Geschenk entscheidet sich im September.

Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung mit Stand August 2026 und ersetzt keine steuerliche Beratung.

Häufige Fragen

Wie hoch ist die Freigrenze für Geschenke an Geschäftspartner 2026?

50 € pro Empfänger und Wirtschaftsjahr (§ 4 Abs. 5 Nr. 1 EStG) — für vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmen netto. Die Grenze gilt seit dem 1. Januar 2024; davor waren es 35 €. Es ist eine Freigrenze, kein Freibetrag: Wird sie überschritten, entfällt der Betriebsausgabenabzug für das gesamte Geschenk.

Sind Weihnachtsgeschenke an Mitarbeiter steuerfrei?

Als Sachbezug bis 50 € pro Monat ja — sofern die Freigrenze im jeweiligen Monat nicht schon anderweitig genutzt wird. Die 60-€-Grenze für Aufmerksamkeiten greift zu Weihnachten nicht, weil sie nur persönliche Anlässe wie Geburtstag oder Jubiläum abdeckt. Ein Geschenk im Rahmen der Weihnachtsfeier kann in den 110-€-Freibetrag der Betriebsveranstaltung einfließen.

Was sind Streuwerbeartikel im steuerlichen Sinn?

Sachzuwendungen, deren Anschaffungskosten 10 € netto nicht übersteigen — etwa Kugelschreiber oder einfache Kontaktpunkte in großer Auflage. Sie gelten nicht als Zuwendung im Sinne des § 37b EStG: keine Pauschalsteuer, praktisch keine Empfängerdokumentation.

Was ist die Pauschalsteuer nach § 37b EStG?

Geschenke an Geschäftspartner sind beim Empfänger grundsätzlich steuerpflichtig. Mit § 37b kann der Schenker das pauschal mit 30 % (zzgl. Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer) übernehmen — der Empfänger hat dann Ruhe. Das Wahlrecht gilt einheitlich für alle Zuwendungen eines Jahres.